Interview

Friederike Jokisch und Zwek

Hallo Gustav Kleinschmidt, wie und wann kam es zu deinem Künstlernamen; zwek und was bedeutet er für dich?

Den Namen habe ich mir überlegt, als ich wusste, dass ich Kunst machen will. Ich fand es schön, grundsätzlich darüber nachzudenken, warum ich Kunst mache, und dafür eine Begrifflichkeit zu finden, die im Namen steckt. Zweck im Deutschen steht für mich als der Weg zum Ziel. Ich verstehe "Zwek" in diesem und im erweiterten Sinn.

Es wird allerdings ohne "c" geschrieben.

Ja, das ist der erste Haken bzw. künstlerische Eingriff. Ich fand es spannend, dass man, noch bevor man die Kunst sieht, einen Grad von Irritation hat. Damit man die Wahrnehmung für möglichst viele Assoziationen offenhält.

Ist für Dich Kunst ein Zweck?

Ja, klar! Es ist situationsabhängig, je nachdem, was das Kunstwerk ist, kann der Zweck immer wieder neu entstehen. Es muss nicht logisch sein, möglichst wenig konkret, deswegen mit dieser Irritation.

Wann kam es zu dem Namen?

Mit 16 habe ich im Atelier gearbeitet, in Vorbereitung für mein Kunstabitur und hatte meine erste Ausstellung mit dem Namen. Ich fand damals die Ästhetik und Symmetrie der Buchstaben, die Typografie interessant. Jetzt ist es eher der sprachliche Aspekt, den ich ansprechend finde. Ich habe Glück, dass ich den Namen nach wie vor spannend finde.

Hat der Name auch einen Einfluss auf dein künstlerisches Schaffen?

Es bedingt einander. Ich habe ihn eher so gewählt, dass er zu meiner Kunst passt. Auch weil er mir Freiheiten erlaubt, nicht Gustav Kleinschmidt sein zu müssen. Er hält die Wahrnehmung für den Betrachter offen; ob er für eine Gruppe, Firma, Einzelperson oder fiktive Person steht. Das ist für die Arbeit wichtig, denn meine Arbeit befasst sich konzeptüll mit jeweils unterschiedlichen Themen. Ich denke mir jedes Mal komplett etwas Neues aus, ausgehend von einer Narration oder einem philosophischen Gedanken. Das Endprodukt bildet meist ein theatralen Raum. Die Kunst entsteht in dem Moment, wenn der Betrachter den Raum betritt. Der Betrachter erschafft durch das Betrachten der Kunst, die Kunst selbst. Auch deshalb ist es immer etwas komplett Anderes. Ich möchte mit meiner Kunst bewusst irritieren, oder Brüche einbauen, und die konventionelle Wahrnehmung brechen. Es ist eine situative und interaktive Kunst.

Du nutzt gegebene Räume, und der Betrachter ist Teil des Kunstwerks.

Ja, das Kunstwerk ist interaktiv mit dem Betrachter. Es gibt auch Objekte, diese sind meist ortsspezifisch. Ich arbeite auch mit Intervention auf der Straße, die einen politischen Ansatz haben, um etwas sichtbar zu machen, die Entität.

Ist die Dokumentation auch Teil deiner Arbeit?

Ja, um aus verschiedenen Perspektiven darüber nachdenken zu können.

Deine Eltern sind ja beide Schauspieler, spürst Du einen künstlerischen Einfluss aus dem Elternhaus? Spielt das Rollenspiel, die Kulisse, die Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema, oder das Theatralische eine Rolle in deiner Kunst?

Was in meiner Kunst passiert, mag ich auf jeden Fall auch als Theater betrachten. Man kann sich in verschiedene Situationen, Realitäten und Denkweisen reindenken, diese imitieren, um dann zu schaün, was passiert, wenn sie mit anderen Realitäten kollidieren. Ich mag es, mir etwas auszudenken, was in einem ungewohnten Zusammenhang etwas ganz anders bewirkt. Die Räume sind wie Schauspieler, die so tun, als wenn sie dies und jenes wären. Sie lösen sich aus ihrem Bühnenbildcharakter heraus. Ähnlich der aktuellen Tendenz im Theater, wo die Grenzen aufgelöst werden. Dort vermischen sich ja auch zunehmend Zuschauer und Schauspieler, Bühnen- und Zuschauerraum. Es passiert viel dokumentarisches Theater, das Theater verlässt seine Säle und geht raus auf die Straße. Die Unterscheidung von Echtem und Dargestelltem wird schwierig. Deswegen sind die Räume, die ich mache auch keine Kulissen, sondern aus echten Materialien, wie Beton. Weil die Akustik, die Schwere usw. wichtig sind. Die Materialien werden selbst zum Thema, sie sind auch Akteure meiner Kunst.

Ich sehe künstlerische Einflüsse von deinem Vater, der im privaten Raum so viel gestalterischen Veränderungen vornimmt, dass sich meist etwas bildet, was wie Kunst aussieht.

Ja, ich mache das unbewusst ähnlich, baü Beziehungen zu Objekten auf, viele Arbeitsweisen und Materialien sind ähnlich. Micha, mein Vater, hat ja eine sehr breite, ausgedehnte Sammlung, diese ist sehr raumgreifend. Mir fällt es jetzt leichter, diese Verbindung zu sehen, weil ich es durch die Kunst aus dem persönlichen Kontext herausnehme. Für mich funktioniert es immer nur, wenn es nicht im persönlichen Raum stattfindet. Nur das kann neü Zweckzusammenhänge bilden. Ich suche den Zweck in der Kunst. Mich interessiert die Reibung mit der Wahrnehmung von allen möglichen Menschen und Situationen. Das ist gezwungenermaßen ein Zweck. Ich mag es nicht, dass die Kunst sich auf sich selbst bezieht, erst in einem hermetischen Raum wirkt. Die kollektive Wahrnehmung und das Verhalten der Menschen finde ich spannend. Wenn beispielsweise zwei Betrachter sich über ein Kunstwerk austauschen und sie nicht wissen, ob es Kunst ist, oder nicht. Man kann sich selbst hinterfragen, ob es nun Kunst ist, oder nicht.

Also geht es Dir darum, die Wahrnehmung zu sensibilisieren, zu erweitern?

Ja